Geburtshelden-Podcast · Episode 28
Episode 028 – Ich kann mir eine gute Geburt gar nicht vorstellen – Wie wir innere Bilder sicher neu schreiben
Ich erkläre in dieser Folge, warum sich nach einer belastenden Geburt oft keine gute nächste Geburt vorstellen lässt, wie das Nervensystem dabei mitspielt und welche kleinen Schritte helfen können, wieder Vertrauen aufzubauen.
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Artikel zur Podcastfolge
Vielleicht kennst du den Satz, den ich in Erstgesprächen besonders oft höre: „Ich kann mir eine gute Geburt gar nicht vorstellen.“ Wenn deine letzte Geburt schwierig oder belastend war und du jetzt wieder schwanger bist oder darüber nachdenkst, kennst du dieses Gefühl vielleicht auch. Du versuchst dir ein gutes Bild vorzustellen, und da ist einfach nichts. Du bist damit nicht falsch. Dein Erleben hat einen Grund. Du musst damit nicht allein bleiben.
Warum sich eine schwierige Geburt so hartnäckig hält
Eine belastende Geburtserfahrung wird nicht nur in Gedanken und Gefühlen abgespeichert. Gerade wenn es traumatisch war, ist sie auch im Nervensystem sehr tief verankert. Dein Körper ist immer für dich, auch wenn sich das gerade nicht so anfühlt, und er hat sich gemerkt, was passiert ist. Deshalb reicht es nicht, dir zu sagen „diesmal wird es anders“ oder positive Sätze zu wiederholen. Ich erlebe das immer wieder: Frauen sprechen eine Affirmation aus und spüren gleichzeitig, dass sie ihr nicht glauben. Das liegt nicht daran, dass du dir nicht genug Mühe gibst. Ein Nervensystem, das dich schützen will, lässt sich nicht allein mit Worten überzeugen.
Was stattdessen hilft, sind wiederholte kleine Erfahrungen von Sicherheit, Schritt für Schritt statt auf einmal. Und mir ist wichtig zu sagen: Die neue Geburt muss nicht die Aufgabe übernehmen, automatisch alles zu heilen, was bei der letzten Geburt schwer war. Die Aufarbeitung darf davor stattfinden, in deinem Tempo.
Angst hat eine Funktion, keine Schwäche
Wenn du Angst vor der nächsten Geburt spürst, heißt das nicht, dass etwas mit dir nicht stimmt. Angst hält dich wachsam. Sie hat die Funktion, dich aufmerksam zu machen, damit dir das, was beim letzten Mal so schwer war, nicht noch einmal passiert. Schwierig wird es, wenn Angst lähmt, weil du dann gar nicht mehr handelst, sondern nur abwartest. Auch dann lässt sich etwas tun. Angst darf dich in Aktivität führen, nicht in Stillstand.
Ein Weg dahin kann die Beziehung zu deinem neuen Kind sein. Über pränatales Bonding, also den bewussten Kontakt zum Baby schon in der Schwangerschaft, kann sich Vertrauen aufbauen, gerade wenn die vorherige Geburt belastend war. Es geht dabei nicht darum, die alte Geschichte zu verdrängen, sondern eine neue, eigene Verbindung zu diesem Kind entstehen zu lassen.
Dich selbst kennen, um dein Team zu wählen
Je besser du dich und dein Nervensystem kennst, desto klarer kannst du entscheiden, wo du gebären möchtest und mit wem. Manche Frauen bemerken erst im Rückblick, dass sie sich in einer früheren Geburt aus Angst nicht getraut haben, eine Frage zu stellen oder Nein zu sagen, weil sie gelernt hatten, sich in ungleichen Situationen anzupassen. Auch das ist eine verständliche Schutzreaktion, keine persönliche Schwäche. Wenn du das über dich weißt, kannst du es vorher mit deinem Team besprechen, damit du dich in der Geburt eher traust, deine Bedürfnisse zu sagen.
Ein realistischer nächster Schritt
Ich habe in zehn Jahren Begleitung immer wieder erlebt, dass sich Frauen trotz einer belastenden ersten Geburt wieder für eine neue Geburtserfahrung öffnen konnten. Das ist keine Garantie für deinen Weg, aber eine Erfahrung, die mir Hoffnung macht und die ich dir weitergeben möchte. Dabei muss die alte Geschichte nicht verschwinden. Sie darf ein Teil deiner Biografie werden, den du nicht mehr allein tragen musst.
Ein kleiner erster Schritt kann sein, deine bisherige Geburtserfahrung erstmal in Ruhe einzuordnen, bevor du dich mit der nächsten Geburt beschäftigst. Dafür muss noch nichts entschieden sein.
Wenn du magst, kannst du deine Erfahrung in Ruhe mit dem Geburtstrauma-Selbstcheck einordnen, als ein erster, kleiner Schritt.
Dein nächster guter Schritt
Nimm dir die Unterstützung, die gerade zu dir und deiner Situation passt.
Show Notes lesen
In dieser Folge erkläre ich, warum sich nach einer belastenden Geburt oft keine gute nächste Geburt vorstellen lässt, und was dabei im Nervensystem passiert.
Das erwartet dich in dieser Folge:
- Warum eine schwierige Geburt nicht nur in Gedanken, sondern auch im Nervensystem gespeichert wird
- Warum positives Denken allein ein belastetes Nervensystem nicht überzeugt
- Angst als Schutzfunktion, die in Aktivität statt Lähmung geführt werden kann
- Pränatales Bonding als Weg zu mehr Vertrauen in der Folgeschwangerschaft
- Das Bild vom schweren Stein, der zu einem tragbaren Herzen wird
- Warum sich Frauen auch nach einer belastenden ersten Geburt wieder öffnen können
Zeitmarken:
- 00:00 Einstieg: „Ich kann mir eine gute Geburt gar nicht vorstellen“
- 00:52 Wie eine Geburtserfahrung im Körper gespeichert wird
- 03:05 Warum positives Denken allein nicht reicht
- 05:44 Angst als Schutzfunktion verstehen
- 08:02 Pränatales Bonding als Weg zu mehr Vertrauen
- 09:27 Das Bild vom Backstein, der zum Herzen wird
- 15:12 Warum Öffnung nach einer belastenden Geburt möglich ist
Wenn du magst, kannst du deine eigene Erfahrung in Ruhe mit dem Geburtstrauma-Selbstcheck einordnen.
Transkript lesen
A: Hallo und herzlich willkommen beim Geburtshelden Podcast. Ich bin Anabel und begleite Frauen, Paare und Familien dabei, belastende Geburtserfahrungen zu verstehen, zu integrieren und wieder Vertrauen in sich, ihren Körper und den eigenen Weg zu finden. Ich freu mich sehr, dass Du heute hier bist, denn ich glaube zutiefst, Du bist nicht falsch mit dem, was Du fühlst. Und was ich sicher weiß, ist, Du bist nicht alleine. Hallo, schön, dass Du hier bist. Heute ist bei mir perfektes Podcastwetter. Ein gemütlicher Regen prasselt auf die Wiese nieder, die es wirklich dringend braucht nach den heißen Tagen. Und ich freu mich, hier wieder eine Folge für euch aufnehmen zu dürfen.
A: Heute habe ich das Thema, ja, Traumgeburt nach Traumaggeburt im Grunde mitgebracht. Und der Schwerpunkt liegt auf 1 Frage, die mir natürlich häufig begegnet in Erstgesprächen. Und zwar ist die Frage, ich kann mir eine Geburt gar nicht vorstellen und ich erzähl euch heute, wie wir innere Bilder sicher neu schreiben. Das Problem ist, dass, wenn wir einmal ein negatives Erlebnis abgespeichert haben, dann ist das abgespeichert eben in all In allen Ebenen. Ist abgespeichert im Kopf, in der Erinnerung, es ist in den Emotionen, in den Gefühlen abgespeichert. Und gerade bei Trauma ist es eben auch sehr tief in der Körperebene, also wirklich im Nervensystem bis auf Zellebene abgespeichert. Denn wir wissen ja heute sogar aus der epigenetischen Forschung, dass Trauma weitervererbt wird und zwar wirklich weiter in der Art, wie Gene gelesen werden. Also es verändert nicht die Gene, aber es verändert, was gelesen wird und was sich ausprägt.
A: Und das sollte uns ja wirklich zu Also mich führt es immer zum Staunen, wie schlau diese Natur ist. Ja, weil die nächste Generaloption soll sozusagen auf diese Gefahren gut vorbereitet werden. Also es ist erst mal ein sehr schlaues System und deswegen auch immer mein, ja, positiver Lieblingssatz, dein Körper ist immer für dich. Also es es geht ja immer darum, dass ein Lebensüberlebensmechanismus stattgefunden hat, über den wir jetzt sprechen, wie wir ihn eben in deinem neuen Leben und in deiner neuen Geburt nicht brauchen. Das ist das
B: Thema, genau. Und
A: deswegen ist es auch so, dass ein traumatisiertes Nervensystem sich nicht einfach so überreden lässt. Also man kann nicht mit einfach, in Anführungszeichen, nur positivem Denken dieses Nervensystem überzeugen, dass überhaupt eine andere Art von Geburtserfahrung möglich ist. Dafür sitzt es einfach zu tief in allen unseren, in all unserem Sein, in all diesen Ebenen, die ich eben beschrieben habe. Und hier braucht es ein bisschen mehr, als über Worte eine Entladung zu schaffen, sondern es braucht einfach immer wieder Sicherheitsstationen, immer wieder Schritt für Schritt. Inseln, wo wir dem Gehirn, aber vor allem auch dem Körper und dem Gefühl erlauben, etwas Neues dazu zu denken, zu fühlen und ja, vielleicht sogar körperlich zu spüren. Das wäre das Handeln, das kommt aber dann erst bei der tatsächlichen Geburt. Ja, bis dahin wollen wir aber nicht warten. Die neue Geburt soll nicht, das hatte ich schon mal in ’ner Folge davor gesagt, soll nicht die hohe Erwartung haben, dass die jetzt alles heilt, was da war.
A: Weil, das ist so, Trauma halt am allerbesten, wenn wir neben das negative Erlebnis ein positives Erlebnis stellen können. Und das passiert auch häufig bei Geburt, aber es wär ja viel schöner, wenn wir vorher geklärt und stabil in die Geburt gehen und diesen Prozess quasi ja noch unterstützen können. Beziehungsweise nicht nur uns darauf verlassen oder darauf hoffen müssen, dass jetzt diese Geburt alles heilen soll. Genau. Und das bedeutet ein bisschen Arbeit, aber es ist im Grunde sehr, sehr schöne Arbeit, weil es ist ja eine Arbeit an dir, mit dir selber. Du entwickelst dich, Du findest heraus, was brauch ich überhaupt? Was was lässt mein mein Gehirn anders überhaupt denken? Wo kann ich überhaupt meine, wie kann ich meine Glaubenssätze wirklich tiefgreifend verändern? Und nicht nur eine Affirmation aufschreiben, die ich selber gar nicht glaube. Das passiert ziemlich häufig. Das ist erst mal so, das sind die ersten Versuche, die Frauen gehen und ausprobieren und merken, ja okay, ich mach das alles.
A: Ich mach zum Beispiel HypnoBirthing, ich bin ja auch HypnoBirthing Kurzleiterin, ich mach das und ich gehe auch in die positiven Affirmationen und ich versuch da mir was Positives vorzustellen, aber ich kann das eigentlich gar nicht zulassen und ich kann das eigentlich auch gar nicht glauben. Also ich verätel mich ja nur selber, ne. Das wird sowieso wieder total anders. Das wird sowieso wieder, weil das habe ich ja beim letzten Mal auch gedacht, da habe ich vielleicht auch gedacht, das wird gut und schön und ich schaff das alles und es ist irgendwie komplett anders verlaufen, als ich’s mir vorgestellt habe. Und das ist ein, ist ja auch in gewisser Weise eine sehr gesunde Angst, zu sagen, okay, ich hab’s ja schon mal erlebt, dass es anders gekommen ist und es könnte ja wieder so kommen, weil Angst hat ja immer die Funktion, hält dich wachsam, hält dich, ne, dass Du da schön dranbleibst, dass Du da aufpasst, dass Du dass dir das nicht noch mal passiert. Also bringt dich in eine Aktivität, könnte man sagen. Wenn sie lähmt, ist es natürlich ’n Problem, weil dann machst Du gar nichts, dann wartest Du einfach ab. Aber auch da kann man am Ende noch was tun.
A: Da hab ich auch ’n ganz tollen Fall begleiten dürfen, wo eine Frau erst in der, ich glaub vierunddreißigsten Schwangerschaftswoche zu mir kam und bis dahin einfach nur, ja, gehofft hat und dann aber gemerkt hat, eigentlich will sie jetzt was anderes erleben, weil sie schon 2 Geburten hatte, die sie nicht schön fand und die nicht gut gelaufen waren. Und jetzt die 3. Sollte doch eigentlich anders werden, aber sich nicht getraut hat, diesem Impuls zu folgen und dann das Leben ja auch noch so voll ist. Grade mit 2 Kindern und eben auch Unternehmerin und so weiter. Und dann aber wirklich richtig reingepowert hat und eine ganz tolle Geburt erleben konnte. Also dieses Bewusstsein und die Angst zu steuern, also für sich nutzbar zu machen, im Sinne von, gut, ich hab Angst, was bedeutet das? Ich ich ich komm nicht in die Lähmung, sondern ich tue etwas und gehe Schritt für Schritt in eine andere Richtung. Es soll anders werden als beim letzten Mal, also gehe ich in eine andere Richtung. Ich hol mir zum Beispiel Unterstützung und Hilfe, diese letzte Erfahrung aufzuarbeiten.
A: Ich ich bereite mich anders vor oder das, was mir gefallen hat, das mach ich wieder und kombinier einfach was Neues dazu, weil ich neugierig bin. Grade das prägnantale Bonding, das hatte ich ja auch schon mal hier im Podcast erzählt, ist einfach wundervoll, ist für jede Frau wundervoll, aber gerade wenn die vorherige Geburt schwierig, belastend oder traumatisch war, ist das so so wertvoll und so heilsam in diesen engen Kontakt kommen zu können zu seinem Baby. Was jetzt ganz neu heranwächst, da auch viel besser hin zu spüren, okay, das ist wirklich ’n anderer Mensch. Das fühlt sich auch schon anders an und vielleicht bekomme ich da auch schon ganz andere Gefühle, Botschaften, innere Bilder, wenn ich mit diesem Baby im Kontakt bin und irgendwie fühlt sich das alles okay an. Und es ist, ja, das macht auch viel mit der Angst, ne. Und so kann man Schritt für Schritt sich einfach woanders hin entwickeln, sich finden, sich neu finden. Das ist einfach so wundervoll, weil die Motivation ja auch so groß ist. Jetzt würde ich mich gut kennen, weil ich möchte in der Geburt genau wissen, was ich brauche und dafür, das kann mir ja keiner erraten, das das kann auch niemand wissen, der mich nicht so gut kennt, wie ich selber.
A: Und je besser ich mich kenne und mein Nervensystem und wie ich funktioniere, desto besser kann ich meinen meinen Ort finden, wo ich gebären, desto besser kann ich mein Team auf mich abstimmen, kann denen erklären, wie ich funktioniere. Und das alles in Summe, ja, das schreibt einfach eine ganz andere Geburtsgeschichte. Und mit inneren Bildern zu arbeiten, ist immer sinnvoll, je häufiger dein Unterbewusstsein Bilder bekommen von 1 natürlichen Geburt, von 1 leichten Geburt, von 1 ekstatischen Geburt. Du findest das auf Youtube, wenn Du da HypnoBirthing Geburten eingibst, lustvolle Geburten, da gibt es Frauen, die ihre Geburtswege aufgezeichnet haben und zur Verfügung stellen und je mehr Du solche Stories liest, solche solche Frauen dir anschaust, solche solchen Geschichten folgst, desto leichter wird es auch für dein Unterbewusstsein wieder zu glauben oder ein bisschen die Tür dafür zu öffnen, dass das vielleicht ja sogar möglich ist und das ist dann häufig der Punkt, wo die Frauen sagen so, boah ja, jetzt bin ich schon wieder neugierig, ne. Also vorher Angst, ich möchte das nicht, ich will das nicht, am liebsten geplanter Kaiserschnitt. Auch das hatte ich schon, dass Frauen so was sagen, natürlich, weil das ja auch erst mal nach ’ner guten Lösung klingt, wenn man so sone hohe Angst hat und das ist auch ’n legitimer Weg. Und das kann aber sich trotzdem einfach verändern, wenn diese alte Geburtserfahrung integriert ist und gar nicht mehr so diese Schwere hat. Das ist son bisschen wie, als hättest Du in deinem Lebensrucksack jetzt seit der Geburt so einen wahnsinnigen Backstein drinne und denkst, boah, wie soll ich denn mit dem jetzt da noch mal den Berg erklimmen? Das war ja, ich weiß ja, wie schwer das war, das letzte Mal da hochzukommen.
A: Und der wurde jetzt bearbeitet und transformierte sich in ein in ein, ja, kleines Holzfigöchen oder aus diesem Riesenbackstein wurde ein Herzchen geschnitzt, ein kleines gehauen Feldstein. Also ein 1 kleines Herz, Steinherz gehauen, was nicht mehr so schwer ist, was man viel besser verpacken kann. Sogar vielleicht ganz nett aussieht, wenn man’s anschaut. Ja, das ist so kann sich das wirklich entwickeln, dass sich die alte Geburtsgeschichte irgendwann so einfach anfühlt. Ja, also schön war die nicht, erleben möchte ich das nicht noch mal, aber es ist okay, es gehört zu mir und zu meinem Kind. Wir haben das geschafft. Wir haben das überlebt. Wir haben das nicht nur überlebt, wir sind daraus jetzt sogar erwachsen.
A: Und wir sind das durchgegangen und wow, jetzt kenne ich mich vielleicht sogar noch viel besser als davor und hab Dingen gelernt, ja, die ich sonst nicht gelernt hätte. Bei all dem Schmerz, der da immer noch dann vielleicht auch mal hochkommt und zwickt und sich zeigt und das ein oder andere Tränchen rollt. Das ist aber nicht mehr so dieses, jetzt falle ich ins Loch und kann nichts mehr tun, sondern ja, das ist so. Das ist meine Geschichte und da darf ich auch mal drüber traurig sein, dass die so ist. Und trotzdem darf ich froh und glücklich sein, was ich mir da erarbeitet habe. Und dann kann man sich vorstellen, dass sich dann wieder so zu Türen und Fenster öffnen, wo man so, wo die Frauen dann anfangen zu sagen,
B: boah, ja, jetzt bin ich
A: schon son bisschen neugierig. Ich würd schon mal gerne wissen, wie fühlt sich das denn an, wenn die Geburten so und so verlaufen oder wenn das von selber losgeht, die Geburt oder wenn keiner irgendwas von mir will oder oder oder. Was auch immer das individuelle Thema der Frau ist, was sie da in der ersten Geburt erlebt hat. Und dann kann sie nämlich mit diesen Wünschen und Bedürfnissen viel gezielter jetzt. Jetzt kennt sie auch die geburtshilfliche Situation, kann das alles viel besser einschätzen. Wird ja auch im Idealfall begleitet und findet dann ihre ihren Geburtsweg, ihren Geburtsraum. Und kann dann da auch sagen, zum Beispiel, wir hatten’s ja in der letzten Folge auch über die Fallen Response, also eine 4. Überlebensstrategie, in der die Menschen einfach beschwichtigen möchten das Gegenüber, weil sich das nach ungleichen Machtverhältnissen anfühlt, damit ihnen nichts Böses geschieht.
A: Und dann einfach alles tun, was man ihnen sagt. Und dann auch in Geburt, dass Frauen passieren kann, die diese Strategie für sich als über den Strategie einfach übernommen und gelernt haben. Dass die einfach alles machen, was man ihnen anbietet, einfach aus aus Angst heraus. Und das hatte ich auch schon, dass eine 1 junge Frau zu mir gesagt hat, also nee Anabel, das kann ich nicht. Wenn der Arzt da reinkommt und das war auch eine Frau, wo der eigene Vater Chefarzt, aber in ’nem anderen Bereich als Geburtshilfe war. Aber die das war für die einfach so, dass wenn der reinkommt, wenn da ’n Arzt reinkommt und sagt, das muss ich machen, dann mach ich das. Also ich kann das nicht, ich kann da nicht nein sagen oder Fragen stellen oder so. Und dann haben wir einfach gesagt, hier, das ist doch einfach eine super Erkenntnis, dann müssen wir das Team darauf vorbereiten, ne, dass, wenn wir dieser Frau anbieten, möchtest Du ein Schmerzmittel, möchtest Du eine PDA, dass diese Frau immer ja sagen wird, zu gefallen und dass das aber nicht ihrem, nicht unbedingt ihrem Bedürfnis entspricht.
A: Und das gilt es dann in der Geburt eben mit der Frau immer wieder zu erarbeiten oder auch die Angebote anders zu formulieren. Und das haben die vorher gut besprochen und das hat alles wunderbar geklappt. Die hat sich richtig gut aufgehoben, gesehen, gefühlt und das war ihre Geburt. Das war ihre Geburt mit all dem, was sie an Unterstützung genommen oder auch nicht genommen hat. Und darauf kommt es an am Ende und das geht. Man kann sich wieder auf eine neue Geburtserfahrung umstellen. Das hab ich jetzt einfach schon 10 Jahre lang erlebt, dass das geht. Dass das Frauen schaffen, dass die, trotz dem sie so was erlebt haben, wieder Türchen öffnen können, weil sich das Unterbewusstsein wieder öffnet für was Neues, weil die Emotionen und die Gefühle entlastet wurden, weil die einfach mal raus und wirklich gesehen, gehalten, im Körper verortet wurden und weil der Körper mitgenommen wurde.
A: Das Nervensystem bei Gedankeangebot nicht mehr explodiert ist, weil nicht mehr der Überlebensmechanismus im Vordergrund stand. Und dann öffnen sich diese inneren Türen und dann kommt diese kleine Neugierde und die kann man dann immer weiter ausbauen. Und diese Bindung zum Ungeborenen, ich kann das immer nur betonen, das ist so ein wichtiger Punkt dabei. Das ist wie son Gamechanger, weil dann weiß die Frau auch, wofür. Da ist dieser Mensch, der sich durch mir in diese Welt bringen will, das ist einfach nur magisch und wofür ich das jetzt alles tue und das ist ja für uns Mamas sowieso. Oh mein Gott, also wenn wir’s nicht für uns tun, dann ja für unsere Kinder aber zu 100 Prozent. Aber auch für dich, weil Du lernst dich so neu kennen und Du lernst so vieles über dich, was Du vorher vielleicht gar nicht so bewusst aufm Schirm hattest. Und das ist so wertvoll und so spannend und das ist nicht nur was, was für die Geburt jetzt dann wunderbar hilfreich ist, sondern das wird dein Leben als Mama, als Frau und als Partnerin auch sehr, sehr bereichern.
A: Und ja, das wünsche ich einfach jeder Frau, die eine schwierige Geburt erlebt hat, dass sie sich traut, dass sie einfach diesen Weg geht. Ich weiß, es gibt zu wenig Anlaufstellen, es gibt zu wenig Angebote, es ist zu selbstverständlich, dass Frauen damit leben müssen, was sie erlebt haben und auch denken, dass sie damit leben müssen, weil alles andere Schwäche bedeutet. Aber das ist nicht so. Das Also jede Frau, die zu mir in die Aufarbeitung kommt, spürt das und weiß das und sagt das auch und sagt, nein, ich hab mich immer schwach gefühlt oder? Ich hab mich in dieser Geburt schwach gefühlt, was auch immer. Jede Frau bringt ihre Geschichte mit und nee, jetzt bin ich dran. Das war das, das ist die Geburt, das Geburtstrauma ist häufig der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, wo die Frau dann danach sagt, boah, ich hab schon so viel in meinem Leben ausgehalten oder geschafft oder über mich ergehen lassen, aber das war zu viel. Und jetzt bin ich Mama und jetzt das geht nicht mehr. Ich kann so nicht weitermachen, das muss sich ändern.
A: Ich muss ich muss wieder lernen, mich zu spüren, also mich spüren zu können, ohne Ängste zu haben. Ich muss in Kontakt gehen können, ohne Ängste zu haben. Und ja, Let’s a way. Das klingt, ich weiß es gar nicht, klingt es schwer? Klingt es leicht? Es ist so unterschiedlich. Krieg immer die Rückmeldung, oh, Geburtstrauma, das klingt so schwer und das klingt nach ganz schön viel Arbeit und dann häufig aber auch, aber so wie Du das beschreibst, da hab ich richtig Lust drauf oder das klingt so son Stück Leichtigkeit. Ich hoffe, ich konnte das hier auch vermitteln. Das ist ja immer Ich red ja mit niemandem, sondern ja, ich guck raus ausm Fenster, rede mit der Natur und mein Mikrofon und möchte natürlich auch ein Stück Hoffnung transportieren oder ein Stück Leichtigkeit da reinbringen, weil das ja keine Arbeit ist im Sinne von, boah, da geh ich zu sonem blöden Bürojob, auf den ich keinen Bock hab oder so, Sondern das ist ja meistens eine Arbeit, wo Du dann so richtig Bock drauf hast, wo Du sagst, boah, ja, komm, gib mir noch mehr. Und jetzt? Was machen wir jetzt? Und ja, das hat super funktioniert, davon mehr oder? Ich hab das ausprobiert, Anabel, aber das klappt bei mir gar nicht.
A: Also ich krieg kein inneres Bild oder wie auch immer, ne. Also gib mir was anderes, so. Dann ist da so richtig Motivation und Lust dahinter, weil es ja dich ganz persönlich betrifft und Du ja auch merkst, wie das ausstrahlt auf deine ganze Familie und auf dein Umfeld. Und das ist einfach, ja, was total Schönes und das hoffe ich, das konnte ich auch ein bisschen hier mit unterbringen. Also Du Liebe, wenn Du gerne kommentieren möchtest, dann würde ich mich mega freuen, ein bisschen in Kontakt zu kommen mit meinen Hörerinnen und Hörern. Und wenn Du Frauen hast, wo Du sagst, boah, passt für die auch. Das Thema freue ich mich natürlich auch, wenn Du’s teilst oder mir wenigstens ’n Signal übers Liken gibst, weil ja, ich mach diese Arbeit gerne und am schönsten ist es aber auch, wenn ein bisschen Feedback kommt oder man so merkt, ah ja, okay, das hört auch jemand. Gut, dann wünsche ich dir jetzt einen wundervollen Tag.
A: Auf meiner Webseite Geburtshelden Punkt d e kannst Du alles über mich erfahren, über meinen Weg als Geburtspsychologin, als derzeit immer noch Einzige in Deutschland und meine Art zu arbeiten beziehungsweise zu begleiten. Also, ganz viel Freude und bei jeglichen Fragen, Anregungen oder Impulsen kannst Du mir gerne schreiben und ich antworte auch persönlich. Mach es gut und bis bald.