Geburtshelden-Podcast · Episode 18
Episode 018 – Geburt und Tod – Begleitungen von Paaren mit schwer kranken Babys
Es gibt Situationen im Leben, die uns sprachlos machen. Wenn eine Geburt nicht mit dem ersten Schrei, sondern mit einem Abschied beginnt, gerät die gesamte Welt aus den Fugen. Die Begleitung von Paaren mit schwer kranken Babys erfordert unendliches Feingefühl.
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Es gibt Situationen im Leben, die uns sprachlos machen. Wenn eine Geburt nicht mit dem ersten Schrei, sondern mit einem Abschied beginnt, gerät die gesamte Welt aus den Fugen. Die Begleitung von Paaren mit schwer kranken Babys erfordert unendliches Feingefühl.
Ich spreche behutsam über diese Grenzerfahrungen. Mein Wunsch ist es, betroffenen Familien zu zeigen, dass sie in ihrer tiefen Trauer nicht allein sind, und vorsichtig Wege aufzuzeigen, wie man diesen unbegreiflichen Schmerz gemeinsam tragen und begleiten kann.
Wir beleuchten, wie heilsam eine traumasensible Begleitung in schwersten Zeiten sein kann, um Abschied und Liebe Raum zu geben. Diese Folge soll ein Licht der Zuversicht in dunklen Stunden sein. Sie gibt Betroffenen Halt und hilft Fachpersonen, das Unbeschreibliche einfühlsam zu begleiten.
Wir betrachten auch, wie wichtig das Schaffen bleibender Erinnerungen (wie Fotos oder kleine Fußabdrücke) ist und wie betroffene Paare durch liebevolle Rituale einen heilsamen Trauerraum kreieren können, in dem sowohl der tiefe Schmerz als auch die Liebe zu ihrem Kind nebeneinander existieren dürfen.
Dabei gibt es keinen richtigen Zeitplan für Trauer. Jede Familie darf ihren eigenen Weg finden, Grenzen setzen und Unterstützung annehmen, ohne sich erklären oder funktionieren zu müssen.
Befindest du dich in einer ähnlichen Situation oder musst einen schweren Verlust verarbeiten? Ich bin da, um dir in dieser Dunkelheit beizustehen.
Dein nächster guter Schritt
Nimm dir die Unterstützung, die gerade zu dir und deiner Situation passt.
Show Notes lesen
Achtung ⚠️ Wir sprechen hier über ein sehr sensibles Thema. Wenn du dir die Folge anhörst, sorge gut für dich. Du kannst jederzeit auf Pause drücken und durchatmen. Aber ich weiß, dass uns das Leben manchmal keine Wahl lässt uns mit diesem Thema zu beschäftigen 🩷
Melde dich gerne für ein kostenloses Erstgespräch an, wenn du dir Unterstűtzung von mir wünschst.
Herzlichst
Deine Anabel
Die Geburtspsychologin
Transkript lesen
[00:01] Hallo [musik] und herzlich willkommen
[00:02] meine Lieben hier in meinem
[00:05] Geburtshelden Podcast.
[00:08] Ich wollte was anderes sagen, andersrum.
[00:09] [musik] Sorry. Ich bin Annabel Geister,
[00:12] die Geburtspsychologin. Du siehst, ich
[00:14] mache es quasi hier wie bei einem
[00:16] [musik] Live Video oder der Live
[00:18] Aufnahme. Ja, alles authentisch und echt
[00:21] und unzensiert.
[00:23] Ich
[00:25] habe euch heute ein bisschen [musik] ein
[00:27] schwierigeres Thema oder ein schwereres
[00:30] Thema mitgebracht, was ich aber wirklich
[00:32] total [musik] wichtig finde und deshalb
[00:36] ja überlegst [musik] dir, ob du es
[00:38] anhören möchtest. Es ist einfach so, wir
[00:41] haben ganz [musik] viele Menschen,
[00:44] Frauen, Paare, die erleben, wie nah
[00:47] Geburt und Tod sich stehen. Und genau
[00:49] dieses [musik] Thema werde ich nämlich
[00:51] heute hier mit euch besprechen.
[00:54] Geburt und Tod, [musik] die Begleitung
[00:57] von schwer erkrankten Babys.
[01:02] [musik] Ja, wie schon gesagt, es ist ja
[01:05] nicht so, dass Geburt
[01:08] oder Geburtstrauma nur bedeutet oder was
[01:11] heißt nur bedeutet, dass die Geburt
[01:14] nicht so verlaufen ist, wie man sich das
[01:16] erhofft hat, sondern
[01:19] jede Frau, die geboren hat und wo es
[01:24] schwierige Anteile in der Geburt
[01:26] vielleicht auch gab, weiß, wie sich das
[01:29] anfühlt,
[01:31] dass man an so einer Schwelle steht.
[01:32] geht, wo quasi irgendwie beide Tore,
[01:36] wenn man es so nennen möchte, geöffnet
[01:38] sind, also von entweder ins Leben oder
[01:42] in den Tod. Und irgendwie gehört auch
[01:45] beides zusammen. Das ist so ein ja, so
[01:49] ein Gefühl, das macht das Leben sehr
[01:53] intensiv
[01:56] und Paare, die ein Kind verloren haben,
[01:59] ja, kennen das.
[02:03] Wenn in der Schwangerschaft festgestellt
[02:05] wird, dass ein Kind nicht
[02:07] überlebensfähig sein wird oder so schwer
[02:10] erkrankt ist, dass es entweder in Geburt
[02:14] oder schon in der Schwangerschaft oder
[02:16] eben paar Wochen danach sterben wird,
[02:18] dann ist es natürlich ein sehr großer
[02:21] Schicksalsschlag für diese kleine
[02:24] frische Familie,
[02:26] weil auch hier natürlich ein ganz
[02:29] anderer Wunsch da war. ein ganz anderes
[02:32] Bild von der gemeinsamen Zukunft,
[02:36] ein Traum, der einfach so platzt und
[02:40] nicht nur das, es ist [räuspern] ja
[02:42] steht dem Paar eben eine sehr schwere
[02:44] Zeit bevor, weil es ist ja nicht so,
[02:47] dass die Diagnose kommt und dann hat das
[02:50] Paar seine Ruhe und kann sich drauf
[02:52] vorbereiten, mit dem Kind in Kontakt
[02:54] sein und dann kommt irgendwann der Tag,
[02:58] der Tag und man genießt die Zeit
[03:00] zusammen bis dahin.
[03:01] sondern häufig ist es so, dass es
[03:05] irgendwie einen Hinweis gibt, erstmal
[03:07] eine kleinere Diagnostik, dann muss man
[03:09] die aber absichern mit einer größeren
[03:11] Diagnostik, die will dann vielleicht
[03:13] doch noch mal auch mit einer
[03:15] Fruchtwasserpunktion oder ähnlichem
[03:18] geschaut werden. Dann gibt es
[03:21] verschiedene
[03:23] Möglichkeiten, wie gehen wir jetzt
[03:24] weiter, welche Angebote nehmen wir wahr,
[03:27] wo lassen wir uns begleiten? Woher
[03:29] wissen wir, was wir jetzt tun sollen?
[03:31] Wie gehen wir mit der Trauerparallel um?
[03:33] 1000 Termine für die Frau, immer wieder
[03:35] zur Vorsorge zu gehen, zu gucken, wie
[03:37] ist der aktuelle Stand, wie entwickelt
[03:39] sich, ist die lässt sich die Diagnose
[03:41] bestätigen oder nicht? Ist die wirklich
[03:43] fest oder nicht? Ist die sicher? Also,
[03:45] es ist ein wirklich ähm auf und ab der
[03:50] Gefühle, es ist alles vermischt und
[03:54] alles da und alles krass und intensiv
[03:58] und oh so richtig hm
[04:03] und die Liebe und die Freude, die von
[04:08] Anfang an da war für das Kind bleiben
[04:10] dann leider häufig auf der Strecke.
[04:14] Und ich bin immer wieder sehr berührt,
[04:16] wenn ich Paare begleiten darf, die so
[04:19] einen Prozess durchlaufen.
[04:22] Das ist häufig so, dass das wahnsinnig
[04:24] intensive Begleitungen sind, weil wie
[04:26] gesagt, es steht so viel für die Paare
[04:28] an, so viel zu organisieren, so viel im
[04:32] Außen, so viele Termine,
[04:34] dass ja für Trauer, für wie gehen wir
[04:39] als Paar überhaupt damit um? Was ist
[04:41] jetzt eigentlich, wie kann man das auch
[04:43] mal setzen lassen? was es mit dem Baby
[04:45] häufig gar nicht die Ressource da ist.
[04:48] Und das ist so schön, wenn wir dann
[04:50] diese gemeinsamen Termine haben, wo es
[04:53] dann eigentlich nur in Anführungszeichen
[04:56] um Bindungsarbeit geht, da können dann
[05:00] häufig die Paare erstmal wieder atmen,
[05:03] aufatmen und genießen. Ich mache dann
[05:06] pränatales Bonding. Das ist die absolute
[05:09] Grundlage für so eine Arbeit, weil ich
[05:12] einfach gemerkt habe, wie wie wichtig
[05:15] das für die Frau ist, für den Mann ist
[05:18] wirklich diese Zeit, diese wenn auch
[05:21] kurze Zeit ganz intensiv zu spüren und
[05:24] zu erleben und zwar nicht nur das
[05:27] Negative und den Verlust, sondern auch
[05:30] das hier und jetzt und das ist so
[05:33] spannend zu erleben. Ich erinnere mich
[05:36] an einem Paar,
[05:38] was das so genossen hat, dieses pratale
[05:41] Bonding, wo ich sie einfach in der
[05:43] Entspannung eingeleitet habe und dann
[05:46] mit ihrer Wahrnehmung einfach zu ihrem
[05:48] Kind geführt habe
[05:51] und die Frau in so einem guten Kontakt
[05:54] war, die wirklich konnte mir gut sagen,
[05:57] was sie spürt, was auch vom Kind kommt.
[06:00] Und die Botschaft z.B. über diesem Kind
[06:03] war immer
[06:05] ich liebe euch
[06:08] und das war so schön für die Frau zu
[06:10] erleben, dass sie nicht nur nicht nur
[06:14] Tränen des der Trauer und des Verlusts
[06:17] hatte, sondern auch Tränen der Freude
[06:19] und der Liebe. Und das war bis zum
[06:21] Schluss so, dass sie immer das Gefühl
[06:23] hatte, für mein Kind ist das eigentlich
[06:26] okay, was gerade passiert. Für sie war
[06:29] es nicht okay, für den Partner war das
[06:31] nicht okay. Die wollten, die hätten
[06:33] alles dafür getan, um ein gesundes Baby
[06:37] zur Welt zu bringen. Und das Kind hat
[06:40] immer diese Botschaft gesendet,
[06:42] dass für dieses Kind okay war.
[06:46] Und ja, jetzt kann man sagen, vielleicht
[06:49] ist das Selbstschutz, glaube, wie auch
[06:51] immer. Es ist auf jeden Fall ein Anker
[06:53] gewesen.
[06:55] Und das Schöne war an dieser Verbindung,
[06:58] dass nicht nur die Mutter mit dem Kind
[07:00] noch mal in Verbindung gekommen ist bei
[07:02] den pränatalen Bonding Sitzungen,
[07:04] sondern dass die Mutter zu sich auch
[07:07] noch mal dann immer wieder gekommen ist
[07:08] und der Mann auch Zeit hatte für sich zu
[07:10] kommen. Und z.B. Der Partner hat dann
[07:13] festgestellt in diesen Sitzungen, boah,
[07:15] mein Gehirn kann überhaupt nicht mehr
[07:17] abschalten. Das ist nur noch am Rödeln,
[07:19] weil natürlich das Leben ja auch noch
[07:21] weitergeht. Das ist ja dann nicht nur
[07:23] diese Krise und diese abgekapselte
[07:26] Erfahrung und dann ist man damit
[07:27] beschäftigt und nichts anderem, sondern
[07:29] dann gibt’s immer noch Job, Arbeit,
[07:33] Krankheit, Familie, Freunde. Es gibt ja
[07:36] immer noch alles drumherum, was dann
[07:38] auch noch bedient werden möchte.
[07:41] Und diese Zeiten, wo wir einfach da
[07:44] waren, wo sie einfach da waren für sich,
[07:46] jeder für sich selber, aber eben auch
[07:48] mit dem Kind. Das haben sie als super
[07:51] wertvoll erlebt
[07:53] und das hat jede Frau und jedes Paar
[07:55] danach auch so empfunden. Und deswegen
[07:59] ist das so ein Ansatz, wo ich denke, da
[08:03] können wir einfach von lernen, dass
[08:06] dieses im Hier und jetzt wie geht wie
[08:08] geht es uns eigentlich im Hier und
[08:11] jetzt? Und das war ja immer so im Hier
[08:13] und jetzt war alles okay, ne? Dem Kind
[08:15] ging es im Mamas Bauch noch gut. Es war
[08:18] klar, es wird nicht überleben, es wird
[08:21] vielleicht auch nicht die komplette
[08:22] Schwangerschaft überleben, aber z.B. in
[08:26] diesem einen speziellen Fall hat das
[08:27] Kind die also sehr viel weitere
[08:31] Schwangerschaftswoche erreicht, als es
[08:33] eigentlich vorhergesehen war und ja, ich
[08:36] denke immer ja, die waren halt in auch
[08:38] einem wirklich engen Kontakt mit ihrem
[08:40] Baby und das hat es vielleicht auch noch
[08:42] so ein Stück weit im Hier und Jetzt
[08:45] gehalten, ne, bevor es dann gegangen
[08:47] ist.
[08:48] Und ich habe auch gemerkt, es ist so
[08:50] wichtig für die Paare über all ihre
[08:52] Ängste, über wirklich alle sprechen zu
[08:54] können, weil auch so eine Frage, ne, wie
[08:57] ist das, wenn ich dann irgendwie ein
[09:00] totes Kind auf dem Arm halte? Das ist
[09:02] sind so schwierige Fragen. Will ich das?
[09:04] Kann ich hingucken? Kann ich nicht, was
[09:06] macht das mit mir? Und da gibt’s Frauen,
[09:08] für die ist es völlig klar. Und es gibt
[09:09] Frauen, für die ist das bis zum Schluss
[09:12] nicht klar, ne? Und das ist völlig okay
[09:14] und dann fühlen die sich aber schuldig,
[09:16] weil was ist, wenn ich das, wenn ich es
[09:18] vielleicht nicht sehen möchte oder das
[09:19] nicht möchte und so weiter und so fort
[09:21] und da wirklich immer wieder ein
[09:23] Ansprechpartner zu haben und immer
[09:25] wieder zu hören, es ist es ist alles gut
[09:28] so, wie du es machst. Du tust dein
[09:29] Bestes, du gibst einfach dein Bestes und
[09:31] es gibt hier kein richtig oder falsch,
[09:34] sondern wichtig ist, es gibt einen
[09:37] Geburtsort, der das emotional begleiten
[09:40] kann. Auch das musste ich schon
[09:42] feststellen, dass das nicht überall
[09:43] möglich ist. Boah. Und ich war
[09:46] erschrocken darüber,
[09:48] was in Kliniken so abgeht bei so einem
[09:52] wahnsinnig sensiblen Moment, ne? und
[09:55] dass sie das nicht ja, wie soll ich
[09:57] sagen, hinbekommen, dem Paar da den Raum
[10:00] den Rahmen zu geben, wirklich
[10:04] ihre Geburt mit ihrem, wenn dann auch
[10:07] verstorbenen Kind zu zu haben, zu
[10:10] meistern und dann auch aufgefangen zu
[10:13] sein und zusammen sein zu können.
[10:16] scheint schon manchmal ein Problem zu
[10:17] sein und ja, auch da macht man halt auch
[10:23] seine Erfahrungen, aber es lohnt sich
[10:26] auch hier zu gucken,
[10:28] welcher Geburtsort
[10:31] ist da der Richtige für mich, ne? Wo
[10:34] möchte ich mein Kind verabschieden? Wo
[10:36] möchte ich das erleben, wer soll dabei
[10:39] sein? Wie sind die da so drauf? Was ist
[10:43] so möglich?
[10:44] und dann wirklich zu suchen. Und das
[10:47] gibt es, ne? Es gibt auch dafür die
[10:49] geeigneten Geburtsorte, die sich damit
[10:51] ähm gut auseinandergesetzt haben und da
[10:54] wirklich auch alles bieten, dass das
[10:57] Paar so individuell wie möglich
[10:58] begleitet werden kann und dann auch
[11:01] danach den Trauerprozess auch wirklich
[11:04] in ihrem Tempo nachvollziehen können.
[11:08] M
[11:10] ja und ich habe auch so viel gelernt
[11:14] durch Paare,
[11:16] die so eine Situation, so ein Erlebnis
[11:22] überstanden haben, weil ich sag mal,
[11:24] wenn man so von außen drauf schaut oder
[11:27] vielleicht kennt ihr das, wenn ihr das
[11:29] auch im Freundeskreis habt, das ist
[11:31] natürlich etwas, wo jeder denkt, das ist
[11:35] könnte ich nicht schaffen, ne? Wie
[11:36] schaffe ich das? Ich kann das nicht
[11:37] schaffen. Das ist nicht zu überleben.
[11:39] Das ist das ist das Schlimmste, was
[11:41] quasi passieren kann, ne, dass der
[11:43] Mutter das Kind verstirbt.
[11:47] Und umso wichtiger ist eben, dass hier
[11:50] wirklich eine gute Begleitung von Anfang
[11:53] an stattfindet.
[11:55] Und dann, wenn nämlich dieses im Hier
[11:59] und jetzt immer wieder fokussiert wurde,
[12:02] ne, wenn die immer wieder auch
[12:04] eingeladen wurden, schau jetzt zu dir,
[12:07] schau jetzt zu deinem Kind, jetzt habt
[12:10] ihr diese Zeit gemeinsam.
[12:13] Fühl dahin, gib deine Botschaften jetzt
[12:16] weiter. Was möchtest du, wie sich dein
[12:18] Kind quasi jetzt bei dir fühlt? Was
[12:21] willst du ihm mitteilen?
[12:24] dass das auch für später
[12:26] so unglaublich wichtige
[12:28] Ressourcenmomente sind, ne? Weil die
[12:31] Paare daran immer wieder gerne
[12:33] zurückdenken
[12:35] und somit irgendwie auch dieser
[12:38] Schrecken und der Verlust so ein Stück
[12:41] weit ausgeglichen werden kann. Also das
[12:44] quasi neben dem ganzen negativen, was da
[12:47] ist, auch etwas Positives da sein darf.
[12:51] Und das ist manchmal ganz das ist
[12:53] manchmal der Punkt, ne? Darf ich jetzt
[12:56] denn auch, darf ich auch mal lachen?
[12:58] Darf ich auch mal glücklich sein? Darf
[13:00] ich auch einfach ähm mich, meinen Mann
[13:03] und das Kind mal lieben oder ist das
[13:06] eigentlich ähm nicht erlaubt in so einer
[13:09] Situation, weil ich muss nur trauern und
[13:11] mich schlecht fühlen. Und das ist so
[13:14] wichtig, weil das sind diese Momente, an
[13:17] die man dann eben später zurückdenkt und
[13:21] an die man dann auch gerne zurückdenkt
[13:23] und solche Momente zu schaffen, solche
[13:25] gemeinsamen,
[13:28] das sehe ich so als meine Aufgabe, wenn
[13:30] ich Paare oder Frauen begleite,
[13:34] die so ein Schicksal getroffen hat.
[13:37] Und ich habe jetzt nur von den Kindern
[13:40] und Babys gesprochen, die eben später
[13:42] verstorben sind. Natürlich habe ich auch
[13:45] Paare, die schwererkrankte Kinder haben,
[13:48] die nicht versterben, sondern unzählige
[13:52] OPs und so weiter unterzogen werden. Und
[13:55] auch das ist eine ganz spezielle Art,
[13:57] danach damit umzugehen und die auch die
[14:00] brauchen eine sehr spezielle Begleitung,
[14:02] wenn so quasi ihr Familienglück
[14:06] startet so schwer.
[14:09] Ja, also auch hier wieder noch mal so
[14:12] dieser Hinweis, ne? Es ist nicht immer
[14:15] die Geburt, die traumatisch sein muss,
[14:17] auch alles, was da so mit einhergeht.
[14:19] Wie gesagt, in der Schwangerschaft, eine
[14:21] Diagnose,
[14:23] ein erkranktes Kind, ein verstorbenes
[14:25] Kind. Was was macht das z.B. mit dem
[14:28] Kinderwunsch, was macht das mit der
[14:29] Folgeschwangerschaft? Was macht das mit
[14:31] uns als Paar, mit unserer Sexualität und
[14:34] so weiter. Es ist einfach so, dass diese
[14:37] Themen, die machen uns so aus und die
[14:41] erfüllen unser Leben so. Und von daher
[14:44] ist es so wichtig, da wirklich ehrlich
[14:47] hinzuschauen. Wie geht’s mir damit?
[14:50] Will ich jetzt dann kein Kind mehr, weil
[14:52] mir sowas wieder fahren ist oder will
[14:54] ich es jetzt erst recht? Oder brauche
[14:57] ich da noch mal Hilfe? Wie wie gehe ich
[14:59] damit um? Wie trauere ich richtig? Also
[15:02] genauso wie Geburt ja irgendwie so hier
[15:04] in Deutschland hinter verschlossenen
[15:05] Türen passiert und keiner so am besten
[15:07] genau wissen will, wie das läuft. Ist
[15:10] das ja auch mit dem Tod. Wo sterben denn
[15:12] die alten Menschen? Ja, am besten
[15:14] irgendwie da so abgeschoben im
[15:16] Altersheim, denn keiner der Pfleger ist
[15:19] da irgendwie auf Trauerarbeit oder so
[15:21] spezialisiert. Die kommen rein, oh Gott,
[15:23] der ist tot. Die kriegen keine
[15:25] Supervision oder irgendwas, ne? Oder
[15:27] Selbsterfahrung oder was auch immer oder
[15:29] therapeutisches Angebot. Die müssen
[15:31] damit leben. Oh, okay, ist schon wieder
[15:32] einer verstorben. Also, was machen die?
[15:34] Die versuchen das irgendwie so besser in
[15:37] die nächste. Okay, dann bitte abholen
[15:40] lassen. [gelächter][japst] Besser
[15:41] wegschieben. Alles, alles besser
[15:43] wegschieben. Aber ein Mensch, der
[15:45] stirbt, braucht im Grunde genau das
[15:47] gleiche, was ein Mensch braucht, der
[15:49] geboren wird. Nämlich eine angstfreie
[15:52] Umgebung. Eine Umgebung, die sagt: „Ja,
[15:56] du darfst, du darfst gehen. Es ist in
[15:59] Ordnung. Wir sind hier, wir halten den
[16:01] Raum, wir lieben dich.“ Es ist alles gut
[16:05] so wie es ist und ist es in Ordnung,
[16:08] dass du jetzt gehst. Auch das braucht
[16:11] ein alter Mensch wieder, der vielleicht
[16:13] schon sein, also ein langes Leben schon
[16:16] gelebt hat, weil wenn der in einem Raum
[16:19] liegt, wo irgendwie unteren
[16:21] verängstigter Pfleger reinguckt, weil er
[16:22] denkt, oh Gott, bitte nicht in meiner
[16:24] Schicht sterben oder an ihn geklammert
[16:28] wird und immer wieder gesagt wird, bitte
[16:31] stirbt nicht, bitte geh nicht. Dann ist
[16:33] es natürlich auch schwieriger einfach
[16:35] loszulassen und zu sagen, ich gehe, ne?
[16:38] Weil das dann wieder in so einem Raum
[16:40] voller Angst ist und alles super
[16:43] verständliche Gefühle und Bedürfnisse.
[16:46] Und das meine ich mit, wir haben hier
[16:49] überhaupt keine so eine richtige Kultur
[16:51] dafür. Wir erleben nicht mehr, wie
[16:54] Kinder geboren werden, wie Menschen
[16:57] leicht versterben,
[16:59] sondern und wie wir dann damit umgehen,
[17:02] sondern Trauer ist ja so
[17:05] schon fast krankhaft, ne? Also, es ist
[17:08] ja auch Trauer wurde ja auch schon
[17:10] begrenzt in der ähm Definition, wann es
[17:14] in eine Depression übergeht, ne? Man
[17:17] darf ja jetzt nicht mehr ganz so lange
[17:19] trauern. Ich weiß es jetzt nicht
[17:21] auswendig, was das ICD dazu sagt. Also
[17:24] diese Klasse internationale
[17:25] Klassifizierung von psychischen
[17:28] Erkrankungen, die geben mir einmal vor,
[17:30] was ist so ein Normbereich, ab wann
[17:32] sprechen wir von der psychischen
[17:33] Erkrankung oder Störung? Und Trauer ist
[17:36] so für einen gewissen Zeitraum okay und
[17:39] dann ist es halt eine Depression, ne?
[17:42] Dann haben wir wieder eine schöne
[17:43] Schublade, wo wir es reinschieben können
[17:45] und das macht es so schwer. Da merkt man
[17:47] auch, also so ein richtig natürlichen
[17:49] Umgang finden wir hier irgendwie nicht
[17:51] dafür und das ist so schade und da
[17:54] fehlen uns aber auch einfach wieder die
[17:56] Vorbilder.
[17:57] Ja, und deswegen ist natürlich auch so
[17:59] eine Vernetzung von Gleichgesinden ganz
[18:01] wichtig, ne, zu hören, was hat geholfen,
[18:04] wie geht man damit um, wie geht man im
[18:06] Umfeld damit um? Also, wenn ich selber
[18:09] schwanger bin mit einem todkranken Baby,
[18:12] gehe ich dann auf die Babyparty von
[18:14] meiner besten Freundin. Was ist dann?
[18:16] Wie fühle ich mich? Was passiert da?
[18:18] Dann werde ich angesprochen überhaupt
[18:20] immer diese Sorge angesprochen zu
[18:22] werden. Und wie ist es soweit und ne und
[18:26] lauter diese Situationen und da jemand
[18:30] zu haben, mit dem man das einfach auch
[18:32] alles mal vorbespricht. Wie gehe ich
[18:34] damit um, wenn ich angesprochen werde?
[18:36] Was ist mein vielleicht auch
[18:37] Standardsatz, ne? Weil ich will ja nicht
[18:39] eben meine Lebensgeschichte erzählen.
[18:41] Was sage ich zu Freunden oder Familie,
[18:43] wo ich merke, die gehen ein bisschen
[18:45] unadäquat damit um, weil sie nicht
[18:46] wissen, was sie sagen sollen. Entweder,
[18:48] ne, die wollen gar nicht darüber reden,
[18:50] weil sie denken, das verletzt mich, ich
[18:51] würde aber gerne darüber reden und so
[18:54] weiter und so fort und diese ganze
[18:55] Kommunikation
[18:57] zwischenmenschlich,
[18:59] die kann dann schon mal sehr
[19:00] herausfordernd werden, weil ja diese
[19:03] Situation einfach wie gesagt niemand so
[19:07] dann kennt und die Vorbilder vor für
[19:10] fehlen.
[19:11] Ja, das heißt, Bindungsarbeit auf allen
[19:15] Ebenen ist hier im Grunde der wichtige
[19:19] Fokus. Bindungsarbeit mit dem Baby,
[19:22] Bindungsarbeit zu dir und deinem Körper,
[19:25] Verbindung zum Partner, auch Akzeptanz,
[19:29] ne, zu akzeptieren, dass der Partner,
[19:31] die Partnerin vielleicht ganz anders
[19:33] trauert und was anderes braucht als man
[19:35] selber. Da entdeckt man noch mal ganz
[19:37] andere Seiten aneinander und das ist
[19:40] muss überhaupt nicht trennend sein, ne?
[19:42] Auch wenn vielleicht einer sagt, boah,
[19:43] ich ich brauche da mehr Zeit auch für
[19:45] mich. Ich muss mehr in diesen
[19:46] persönlichen Rückzug gehen. Das ist für
[19:48] mich wichtig. heißt das nicht, das
[19:51] spricht gegen dich, sondern das heißt
[19:53] immer nur, ich spreche gerade, ich sag
[19:56] ein ja zu mir, bedeutet natürlich immer
[19:58] irgendwie ein Ja zu was anderem, aber
[20:01] nein zu was anderem, aber das muss gar
[20:03] nicht im negativen Sinne sein, sondern
[20:05] wenn ich dann wieder rauskomme, dann bin
[20:07] ich auch wieder wirklich da, kann auch
[20:09] wieder in der Beziehung voll da sein.
[20:12] Ja, also ihr merkt, das ist ein sehr
[20:15] komplexes Thema und ich werde das immer
[20:17] mal wieder aufgreifen, weil ich finde,
[20:20] dass wir viel mehr über Geburt und Tod
[20:22] sprechen müssen. Es ist so taboisiert
[20:24] und das ist so schade, weil gerade auch
[20:27] Fehlgeburten, ne? Ich weiß, wenn ich
[20:30] sage, ich hatte eine Fehlgeburt und dann
[20:32] auf einmal hört man von Frauen, von
[20:35] Freundinnen, von langjährigen,
[20:38] Bekannten, Verwandten, wie auch immer,
[20:40] oh, ich auch. Und dann denkt man so, was
[20:43] du hast ja nie was gesagt. Ja,
[20:47] nee. Und so, ne? Und das ist so, wenn
[20:50] einer so diesen diese Tür öffnet, dann
[20:52] merkt man so und dann trauen sich auf
[20:54] einmal alle. Und das ist so schade, dass
[20:56] wir das so taboisiert haben, ne? Weil
[20:59] auch da merkt man ja, es gibt da keine
[21:01] ähm
[21:03] kein Vorbild für Trauer. Wie betraue ich
[21:05] eine Fehlgeburt? Ach, war ja nur achte
[21:07] Woche oder was auch immer, das war ja
[21:09] noch nichts richtiges, ne? gehst du
[21:10] einfach wieder arbeiten, lst du dich ab.
[21:12] Das ist so ja, das kann man machen. Ist
[21:15] aber keine Trauerarbeit und fällt einen
[21:18] vielleicht dann zwischen die Füße, wenn
[21:20] man dann noch mal schwanger werden
[21:21] möchte, weil das dann so
[21:23] unaufgearbeitet, al so darum schwört und
[21:26] auch Abtreibungen. Ja, es ist auch die
[21:28] Frage, warum dürfen Frauen, die
[21:29] abtreiben, nicht trauern? Boah,
[21:31] selbstgewähltes Schicksal, ne? Ja, aber
[21:33] der Weg dahin, es war ja vielleicht kein
[21:35] „Ja, hurra, ich gehe jetzt abtreiben,
[21:37] sondern ein harter Weg und auch das darf
[21:40] man betrau betrauern, was man bewusst
[21:43] loslässt, ne? Aber nein, nicht in
[21:46] unserer Gesellschaft ist das alles nicht
[21:47] so einfach und mit wem rede ich
[21:49] darüber?“ Weil das ist alles sehr
[21:51] stigmatisierend, ne? Und
[21:55] [seufzt]
[21:55] da nicht so leicht. Ja, aber ich will
[21:57] jetzt auch gar nicht in diese totale
[21:59] Schwere verfallen, weil wie gesagt, ich
[22:01] kenne das eben auch ganz anders. Ich
[22:04] kenne eben auch diese wunderschönen
[22:05] Höhepunkte,
[22:07] die so eine Verbindung zu dem Baby auch
[22:10] in so einer Schwangerschaft mit sich
[22:12] bringt und dann kribbelt alles in mir
[22:15] und ich geb Gänsehaut, wenn die Frauen
[22:17] erzählen, was sie spüren, was sie fühlen
[22:21] und wie sie in quasi Liebe dann wieder
[22:23] zerfließen und was das stärkt sie
[22:26] einfach unglaublich dann auch wieder für
[22:28] diese Terminathons und eben für die
[22:31] Geburt, die er dann auch mehr oder
[22:33] weniger natürlich ähm verläuft.
[22:38] Ja, und das das möchte ich euch
[22:40] eigentlich mitgeben, ne, dass ich sowas
[22:42] einfach immer lohnt, so eine
[22:44] Bindungsarbeit
[22:46] zu leisten, weil das auch für später,
[22:49] wenn du drauf schaust, das ganze noch
[22:52] mal ja noch mal ein andere einen anderen
[22:56] Blick drauf gibt, weil dann auch eben
[22:58] nicht nur negatives, sondern auch
[23:00] positives einfach da ist, an dem man
[23:02] sich später noch freuen kann.
[23:06] Okay, ihr Lieben. Hm, wie geht’s euch
[23:09] damit?
[23:11] Sprecht ihr viel über Geburt, Tod? Ich
[23:14] meine, das sind ja genau die zwei Dinge,
[23:15] die uns wirklich alles verbindet. Ganz
[23:18] egal, ob Männlein, [musik] Weiblein,
[23:20] total wurscht. Alle Menschen müssen
[23:22] dadurch, haben irgendwie was damit
[23:24] [musik] erlebt. Ja, lasst mich gerne
[23:28] hören, wie es euch damit geht und
[23:31] welche Erfahrungen ihr damit gesammelt
[23:33] habt. Dann freue ich mich wie immer,
[23:35] wenn ihr das Video liked oder [musik]
[23:37] teilt und den Kanal abonniert und sage
[23:42] bis zum nächsten Mal. Ciao.