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Geburtshelden-Podcast · Episode 27

Episode 027 – Wenn im Kreißsaal der Körper abschaltet – Die Wahrheit über das Gefühl von Ohnmacht

Ohnmacht im Kreißsaal fühlt sich für viele Frauen wie eigenes Versagen an. Dabei sind Erstarrung, Kampf-Flucht-Reaktionen oder Zustimmung aus Beschwichtigung automatische Schutzstrategien des Nervensystems, keine Entscheidung. Ich ordne ein, was in solchen Momenten im Körper passieren kann, und zeige einen kleinen, konkreten Schritt für eine künftige Geburt.

Dauer: 19:10 Minuten
08.09.2026

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Das nimmst du mit

- Ohnmacht und Hilflosigkeit sind typische, automatische Reaktionen des Nervensystems auf ein überwältigendes Erlebnis, kein persönliches Versagen. - In Hochstress mobilisiert der Körper alles für Kampf oder Flucht und kann dabei die Geburtstätigkeit zurückfahren. - Ist Kämpfen oder Fliehen nicht möglich, kann der Körper in eine innere Erstarrung, die Freeze-Reaktion, gehen, die vor Überwältigung schützt. - Die Fawn Response nach Pete Walker ist eine vierte automatische Schutzreaktion: Zustimmung statt Kampf, Flucht oder Erstarrung. - Die eigene Überlebensstrategie zu kennen und sie dem Geburtsteam vorab mitzuteilen, kann die Begleitung in einer künftigen Geburt erleichtern.

Artikel zur Podcastfolge

Vielleicht kennst du dieses Gefühl aus deiner eigenen Geburt: Du warst plötzlich wie erstarrt, hast nicht reagiert, wie du es dir im Nachhinein gewünscht hättest, und seitdem beschäftigt dich die Frage, warum du nicht gekämpft oder nicht Nein gesagt hast. Diese Frage stellen sich sehr viele Frauen nach einer belastenden Geburt, und sie führt in die Irre. Denn was in diesem Moment reagiert hat, war nicht dein Wille, sondern dein Nervensystem.

Was im Körper passiert, wenn eine Geburt überfordert

In dieser Folge ordne ich ein, dass Ohnmacht und Hilflosigkeit eine typische, wiederkehrende Reaktion auf ein überwältigendes Erlebnis sind, unabhängig davon, ob der Konflikt mit dem eigenen Körper oder mit dem Umfeld erlebt wurde. Dein Nervensystem ist in dieser Situation die ganze Zeit für dich da. Es greift auf automatische Überlebensstrategien zurück, die sich über sehr lange Zeit bewährt haben, auch wenn sie sich in einem Kreißsaal fremd anfühlen.

Wird eine Belastung zu groß, kann der Körper in einen Modus aus Kampf oder Flucht gehen. Herzschlag und Atmung können steigen, während Funktionen, die für das unmittelbare Überleben nicht wichtig sind, zurückgefahren werden können, dazu kann auch die Gebärmuttertätigkeit gehören. Das kann erklären, warum eine Geburt unter starker Angst zusätzlich erschwert sein kann.

Freeze: Wenn Kämpfen oder Fliehen nicht möglich ist

Ist Kämpfen oder Fliehen in der Geburtssituation nicht möglich, kann der Körper in die Freeze-Reaktion gehen, eine innere Erstarrung oder Taubheit, die dich vor dem vollständigen Überwältigtwerden schützt. Ich beschreibe das im Podcast so, dass der Schreck noch in den Knochen steckt und die aufgestaute Stressenergie im Körper gehalten bleibt, bis sie später wieder gelöst werden darf, zum Beispiel über körperbasierte Wege in der Aufarbeitung.

Die Fawn Response: Zustimmung als Schutzreaktion

Neben Kampf, Flucht und Freeze spreche ich über eine vierte, weniger bekannte Reaktion: die von Pete Walker geprägte Fawn Response, eine automatische Beschwichtigungs- oder Unterwerfungsreaktion. Sie kann bei jedem Menschen auftreten, wenn ein starkes Machtgefälle empfunden wird, unabhängig davon, was jemand vorher erlebt hat. In dieser Reaktion kann eine Frau während der Geburt allem zustimmen, obwohl sie es im Nachhinein nicht wollte. Auch das ist keine bewusste Entscheidung, sondern ein automatischer Ablauf des Nervensystems, der die bedürfnisorientierte Begleitung im Kreißsaal erschweren kann.

Was die Folge an konkreter Orientierung gibt

Ich nenne einen kleinen, konkreten Ansatzpunkt: die eigene Tendenz zu einer dieser Reaktionen zu kennen und sie im Vorfeld einer Geburt offen mit dem Geburtsteam zu besprechen. Das ersetzt keine Aufarbeitung, kann aber helfen, in einer künftigen Geburt besser begleitet zu werden. In der Aufarbeitung mit Frauen in der Folgeschwangerschaft schauen wir gemeinsam auf die abgelaufene Reaktion, arbeiten körperbasiert und beziehen, wo es passt, auch frühere Erfahrungen mit ein.

  • Kampf und Flucht mobilisieren den Körper maximal für Handlung.
  • Freeze schützt durch innere Erstarrung, wenn Handeln nicht möglich ist.
  • Die Fawn Response stellt durch Zustimmung Sicherheit her.
  • Alle drei sind automatische Schutzstrategien, keine Charakterfrage.

Wenn du magst, kannst du deine eigene Geburtserfahrung in Ruhe einordnen, zum Beispiel mit dem kostenfreien Geburtstrauma-Selbsttest. Das ist ein kleiner erster Schritt, kein Versprechen.

Dein nächster guter Schritt

Nimm dir die Unterstützung, die gerade zu dir und deiner Situation passt.