Geburtshelden-Podcast · Episode 27
Episode 027 – Wenn im Kreißsaal der Körper abschaltet – Die Wahrheit über das Gefühl von Ohnmacht
Ohnmacht im Kreißsaal fühlt sich für viele Frauen wie eigenes Versagen an. Dabei sind Erstarrung, Kampf-Flucht-Reaktionen oder Zustimmung aus Beschwichtigung automatische Schutzstrategien des Nervensystems, keine Entscheidung. Ich ordne ein, was in solchen Momenten im Körper passieren kann, und zeige einen kleinen, konkreten Schritt für eine künftige Geburt.
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Artikel zur Podcastfolge
Vielleicht kennst du dieses Gefühl aus deiner eigenen Geburt: Du warst plötzlich wie erstarrt, hast nicht reagiert, wie du es dir im Nachhinein gewünscht hättest, und seitdem beschäftigt dich die Frage, warum du nicht gekämpft oder nicht Nein gesagt hast. Diese Frage stellen sich sehr viele Frauen nach einer belastenden Geburt, und sie führt in die Irre. Denn was in diesem Moment reagiert hat, war nicht dein Wille, sondern dein Nervensystem.
Was im Körper passiert, wenn eine Geburt überfordert
In dieser Folge ordne ich ein, dass Ohnmacht und Hilflosigkeit eine typische, wiederkehrende Reaktion auf ein überwältigendes Erlebnis sind, unabhängig davon, ob der Konflikt mit dem eigenen Körper oder mit dem Umfeld erlebt wurde. Dein Nervensystem ist in dieser Situation die ganze Zeit für dich da. Es greift auf automatische Überlebensstrategien zurück, die sich über sehr lange Zeit bewährt haben, auch wenn sie sich in einem Kreißsaal fremd anfühlen.
Wird eine Belastung zu groß, kann der Körper in einen Modus aus Kampf oder Flucht gehen. Herzschlag und Atmung können steigen, während Funktionen, die für das unmittelbare Überleben nicht wichtig sind, zurückgefahren werden können, dazu kann auch die Gebärmuttertätigkeit gehören. Das kann erklären, warum eine Geburt unter starker Angst zusätzlich erschwert sein kann.
Freeze: Wenn Kämpfen oder Fliehen nicht möglich ist
Ist Kämpfen oder Fliehen in der Geburtssituation nicht möglich, kann der Körper in die Freeze-Reaktion gehen, eine innere Erstarrung oder Taubheit, die dich vor dem vollständigen Überwältigtwerden schützt. Ich beschreibe das im Podcast so, dass der Schreck noch in den Knochen steckt und die aufgestaute Stressenergie im Körper gehalten bleibt, bis sie später wieder gelöst werden darf, zum Beispiel über körperbasierte Wege in der Aufarbeitung.
Die Fawn Response: Zustimmung als Schutzreaktion
Neben Kampf, Flucht und Freeze spreche ich über eine vierte, weniger bekannte Reaktion: die von Pete Walker geprägte Fawn Response, eine automatische Beschwichtigungs- oder Unterwerfungsreaktion. Sie kann bei jedem Menschen auftreten, wenn ein starkes Machtgefälle empfunden wird, unabhängig davon, was jemand vorher erlebt hat. In dieser Reaktion kann eine Frau während der Geburt allem zustimmen, obwohl sie es im Nachhinein nicht wollte. Auch das ist keine bewusste Entscheidung, sondern ein automatischer Ablauf des Nervensystems, der die bedürfnisorientierte Begleitung im Kreißsaal erschweren kann.
Was die Folge an konkreter Orientierung gibt
Ich nenne einen kleinen, konkreten Ansatzpunkt: die eigene Tendenz zu einer dieser Reaktionen zu kennen und sie im Vorfeld einer Geburt offen mit dem Geburtsteam zu besprechen. Das ersetzt keine Aufarbeitung, kann aber helfen, in einer künftigen Geburt besser begleitet zu werden. In der Aufarbeitung mit Frauen in der Folgeschwangerschaft schauen wir gemeinsam auf die abgelaufene Reaktion, arbeiten körperbasiert und beziehen, wo es passt, auch frühere Erfahrungen mit ein.
- Kampf und Flucht mobilisieren den Körper maximal für Handlung.
- Freeze schützt durch innere Erstarrung, wenn Handeln nicht möglich ist.
- Die Fawn Response stellt durch Zustimmung Sicherheit her.
- Alle drei sind automatische Schutzstrategien, keine Charakterfrage.
Wenn du magst, kannst du deine eigene Geburtserfahrung in Ruhe einordnen, zum Beispiel mit dem kostenfreien Geburtstrauma-Selbsttest. Das ist ein kleiner erster Schritt, kein Versprechen.
Dein nächster guter Schritt
Nimm dir die Unterstützung, die gerade zu dir und deiner Situation passt.
Show Notes lesen
In dieser Folge ordne ich ein, warum sich Ohnmacht im Kreißsaal wie eigenes Versagen anfühlen kann, obwohl der Körper in diesem Moment eine automatische Schutzstrategie gewählt hat. Ich beschreibe vier solcher Strategien und wie du deine eigene für eine künftige Geburt gut kommunizieren kannst.
Themen dieser Folge
- Ohnmacht und Hilflosigkeit als typische Reaktion auf ein überwältigendes Erlebnis
- Kampf- und Fluchtreaktion in Hochstress-Situationen
- Die Freeze-Reaktion und warum aufgestaute Stressenergie im Körper bleibt
- Die Fawn Response nach Pete Walker als vierte Überlebensstrategie
- Warum es hilft, die eigene Reaktion vorab mit dem Geburtsteam zu besprechen
Zeitmarken
- 1:02 – Ohnmacht als typische Reaktion auf ein überwältigendes Erlebnis
- 5:21 – Kampf- und Fluchtreaktion in Hochstress
- 6:31 – Die Freeze-Reaktion als Schutz vor Überwältigung
- 7:53 – Warum die Stressenergie im Körper gehalten bleibt
- 9:32 – Die Fawn Response nach Pete Walker
- 13:00 – Die eigene Strategie mit dem Geburtsteam besprechen
- 18:04 – Kommunikation und Grenzen als Wert für das ganze Leben
Wenn du magst, kannst du deine Erfahrung in Ruhe einordnen: mit dem kostenfreien Geburtstrauma-Selbsttest.
Transkript lesen
Hallo und herzlich Willkommen beim Geburtshelden-Podcast. Ich bin Annabelle und begleite Frauen, Paare und Familien dabei, belastende Geburtserfahrungen zu verstehen, zu integrieren und wieder Vertrauen in sich, ihren Körper und ihren Weg zu finden. Dieser Podcast ist ein Raum für alles, was rund um Geburt oft unausgesprochen bleibt. Angst, Schuld, Scham, Bindung, Körpererinnerungen, aber auch Mut, Heilung und neue Kraft. Heute widme ich mich ganz dem Thema der Überlebensstrategien, die unser Nervensystem parat hat für Krisenmomente, für absolut überwältigende Erfahrungen. Und darum sprechen wir heute über das Thema Ohnmacht. Wenn im Kreisfall der Körper abschaltet, die Wahrheit über das Gefühl von Ohnmacht. Vielleicht fragst du dich, warum du damals nicht anders reagieren konntest. Warum dein Körper nicht anders reagiert hat. Fühlst du vielleicht sogar Schuld oder Scham darüber, dass dein Körper nicht funktioniert hat. Dass er nicht gemacht hat, was er sollte. Dass es nicht so ausgegangen ist, wie du alles vorbereitet hast und dir gewünscht hast. Vielleicht hast du sogar Gewalt und Übergriffe erfahren und fragst dich, warum habe ich nicht gekämpft? Warum habe ich das mit mir machen lassen? Warum habe ich nicht Nein gesagt? Warum bin ich nicht gegangen? Und egal, was jetzt das vorderrangige Thema ist, ob du das Gefühl hattest, mit deinem Körper in einem Zwiespalt zu sein oder mit deinem Umfeld. In beiden Fällen bleibt ein Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit zurück. Und dieses Gefühl ist einfach sehr typisch und sehr beschreitend für ein traumatisches Ereignis. Natürlich kommen dann noch andere Komponente hinzu, die erst einen Trauma zu einem Trauma machen, laut Definition. Aber Ohnmacht und Hilflosigkeit sind ein ganz wichtiges, ein Erlebenspunkt in so einer speziellen Situation. Und ich möchte, dass du heute verstehst, warum dein Nervensystem so reagiert hat und warum dein Nervensystem, also dein Körper, immer für dich ist. Also im Grunde auch ein ressourcenorientierter Blick auf diese Strategie, die da einfach automatisch Anwendung gefunden hat. Unser Nervensystem kann im Überlebensmodus verschiedene Reaktionen abrufen. Und ich erkläre das jetzt einfach mal ohne viel Fachchinesisch, ich erkläre es plastisch, damit du einfach verstehst, was geht da eigentlich in mir ab. Weil du vielleicht jetzt ja noch mit den Nachwirkungen damit zu tun hast und zu leben hast. Es gibt einfach die ganz biologisch notwendigen Formen wie eben Kampf und Flucht. Das ist so das Typische. Das ist auch eher so in diesem Hochstresslevel. Wenn wir eben in Hochstress geraten und alles wird in unserem Körper mobilisiert auf Kampf und Flucht, dann ist das so ganz typisch. Auch in Geburt, dass dann eben zum Beispiel die Angst ist, es muss jetzt eine Intervention passieren oder die Angst ist, eine bestimmte Person betritt wieder den Raum oder es wird nichts oder mein Kind könnte sterben, ich könnte hier nicht gut rauskommen. Dann ist man in einer absoluten Hochstresssituation oder das kann auf jeden Fall passieren, dass dann das Nervensystem nach oben hin abrauscht. Wir sprechen hier immer von einem gewissen Fenster, in dem sich ja ein normaler Stresspegel auch befindet. Also wir können das in dieser Theorie auch schön einteilen. Es gibt eine gewisse Spannbreite von einer normalen Erregung, einer normalen Untererregung, also Entspannung und so einem normalen Aktivitätslevel. Und wenn wir in diesen Hochstressbereich geraten, dann überschreiten wir diese Linie nach oben hin, absolut. Das bedeutet, unser Körper wird maximal mobilisiert. Das ist in Geburt immer sehr hinderlich, weil was zum Überleben notwendig ist, wird aktiviert. Also die Herzrate, die steigt, damit mehr Blut und mehr Sauerstoff schnell in die Muskeln kommt, damit die Arme und Extremitäten bereitgestellt sind, um eben zu kämpfen oder zu fliehen. Wir haben einen erhöhten Atemrhythmus. Es ist alles sehr straff und auf schnelle Reaktionen aus. Alles, was nicht gebraucht wird, wird dann eingestellt. So etwas wie Verdauung ist unwichtig in dem Moment. Es geht ja ums Überleben, wird eingestellt. So etwas wie Gebärmuttertätigkeit, also Geburt, ist unwichtig in dem Moment. Es geht ums Überleben, also kann eingestellt werden. Es gibt immer zwei Varianten. Entweder, wenn man sich das auch so vorstellt, Frau in der Höhle, Säbelzahntiger kommt. Eine Variante ist, wahnsinnig schnell jetzt dieses Kind zu gebären, also rauszupressen, um dann kämpfen und fliehen zu können, oder die Geburt zu pausieren, um dann kämpfen oder fliehen zu können. Und das sind Mechanismen, die heute noch so wirken in Geburt. Jetzt ist es nicht der Säbelzahntiger, sondern eben andere Ängste, die entstehen. Einfach weil Komplikationen sind, weil vielleicht nicht empathisch mit der Frau umgegangen wird, vielleicht sogar Übergriffe passieren, alles sehr medizinisch geleitet ist und wenig Spielraum für natürlichen Prozess gibt. Genau, da haben wir dieses Kampf- und Fluchtreaktion. Es gibt dann aber auch die Variante, dass man erst in diese Kampf- und Fluchtdynamik gerät und dann wird ja aber klar, auch in Geburt, ich kann hier nicht fliehen, ich kann nichts gegen, wenn es jetzt zum Beispiel der Körper ist, die Schmerzen sind so stark, ich kann nichts dagegen tun, ich kann nicht wegrennen, ich kann nicht gegen meinen Körper kämpfen. Und aber auch im Außen, ich kann nicht gegen das Personal kämpfen, ich kann nicht gegen diesen Ort kämpfen und weglaufen ist auch nicht mehr drin, weil wir sind schon dann sehr fortgeschritten auch im Geburtsprozess. Wo soll die Frau hin? Das heißt, hier greift dann die Strategie der starre Freeze. Bedeutet, dass dann wie so eine Todesstarre oder innere Lähmung stattfindet, ein inneres Gefühl von Traubheit, damit einfach Überleben möglich ist. Es ist so ein bisschen wie innerlich von sich selber zurückzutreten, damit einfach das Überwältigende, was da gerade passiert ist, einen nicht zerstört. Und kann auch bis hin zu richtig dissoziativen Zuständen kommen, das wäre der Fachbegriff, dass man wie außerhalb von sich selber ist. Und das ist ein sehr unangenehmes Gefühl natürlich auf der einen Seite, weil dann auch keine Handlung mehr möglich ist und auch Kommunikation nicht mehr möglich ist, wenn eine Frau in so einem Zustand ist. Und für die Frau danach eben auch das Problem ist, dass sie dann diese aufgeschraute Stressenergie, die ja vorher mobilisiert wurde, um in Kampf oder Flucht das abzuladen, die steckt dann einfach noch drin. Der Schreck steckt noch in den Knochen. Und das ist so ein Satz, den wir so sagen. Und es ist so, es ist wie gehalten. Alles ist noch gehalten. Denn wenn ich früher dann in die Hülle, um das nochmal als Beispiel aufzugreifen, geschafft habe, den Säbelzahntiger zu vertreiben oder wegzulaufen, dann habe ich ja diese aufgestaute Energie auch verbraucht. Und dann ist so eine Erleichterung da und man kann sich freuen, dass man es geschafft und überlebt hat. Das ist aber jetzt in der Geburt einfach anders, weil wir bleiben in dieser Situation stecken. Es geht nicht raus. Und dann kommt diese Starre. Und da drin bleibt diese Energie wie auch eingefroren. Und deshalb ist es so wichtig, dass wir danach Tools haben und Wege finden, die wieder loszulassen, schmelzen zu lassen, rauszulassen, zu schütteln, wie auch immer, eben mit körpertherapeutischen Techniken, dann diese Traumaenergie wieder zu entlassen, zu entladen. Das ist unglaublich wichtig. Ich möchte an dieser Stelle noch eine weitere mögliche Reaktion beschreiben, die noch nicht so bekannt ist, nach meinem Gefühl, und zwar die Fawn Response. Das wird auch als Beschwichtigungs- oder Unterwerfungsreaktion benannt. Das ist ein Begriff, der geprägt wurde von Pete Walker und er hat das sozusagen als eine vierte Stress- und Traumareaktion benannt oder entwickelt. Das heißt, dass wenn Flucht, Kampf, Freeze vielleicht auch nicht geglückt sind oder der Mensch schon diese Strategie früher in seinem Leben gelernt hat, diese Fawn Response, dann ist das ein ebenso automatischer Ablauf. Nur dass es hier darum geht, durch Gefälligkeit Harmonie herzustellen. Das passiert immer dann, wenn ein Machtgefälle, ein gefühltes großes Machtgefälle da ist. Also die Person das Gefühl hat, die andere Person ist total übermächtig und damit die mir jetzt wohlgesonnen ist, bin ich sehr gefällig und gebe im Grunde alles von mir selber auf und tue alles so wie diese andere Person, damit mir kein Leid geschieht. Und das ist tatsächlich etwas, was ich auch erst in meiner Arbeit dann gelernt habe, was viele Frauen in Geburt erleben, die schon eine Traumaerfahrung mitbringen und die diese Strategie schon in Kindheit, Jugend gelernt haben. Das sind vor allem Frauen, die Übergriffe durch Erwachsene in der Kindheit erlebt haben, dass man hier immer gucken musste und aufpassen musste, wie ist der Erwachsene drauf und wie kann ich mich so verhalten, schützend verhalten und das bedeutet immer eine komplette Selbstaufgabe. So eine Frau hat ein unglaublich erhöhtes Risiko, in der Geburt wieder in so eine Situation unbeabsichtigt zu rutschen. Es ist ja nicht so, dass das Geburtspersonal da steht und sagt, heute machen wir hier mal eine Traumageburt, sondern es ist eher so, dass das Nervensystem der Frau einfach in diese Reaktion reinrutscht, sobald eben das angetriggert wird. Also sagen wir mal eben eine Hebamme, die auftritt oder ein Arzt, der ein Auftreten hat, der bei der Person, bei der Frau Angst hervorruft, dass das hier schlecht enden könnte und sie nicht gut behandelt wird, wenn sie sich nicht so verhält, wie die das wollen. Und dann beginnen die Frauen in diese Reaktion rein zu rutschen und verhalten sich absolut konform. Das macht es unglaublich schwer für medizinisches Personal, diese Frau noch nach ihren Bedürfnissen zu begleiten, weil diese Frau würde zu allem Ja sagen und die sagt danach, das wollte sie gar nicht. Das ist auch unglaublich verwirrend, weil natürlich dann danach diese Situation entstehen, dass die Frau sagt, ich fühle mich total übergangen gefühlt, ich bin traumatisiert, ich wollte das alles nicht, aber in der Geburt zu allem Ja gesagt hat. Das ist eine sehr ungünstige Situation für alle Beteiligten. Deswegen finde ich es unglaublich wichtig, wenn du weißt, dass du zu dieser Foreign Response tendierst, dass das eine Überlebensstrategie von dir ist, dann ist es unglaublich hilfreich, das mitzuteilen, das im Vorfeld in einer guten Kommunikation mit dem Geburtsort zu klären, dass die das wissen. Dass die wissen, wenn sie dir Angebote machen, dass du die blind annehmen wirst und dass du gar nicht diese innere Stärke oder diese Kontrolle darüber hast, das abzulehnen. Und im Extremfall habe ich das schon erlebt, dass eine Frau in einen Kaiserschnitt gegangen ist mit dieser Strategie, weil sie sich ansonsten, sie hatte so Angst, dass sie nicht mehr gut bekleidet wird. Und dass die quasi die Geburt mit Absicht schlechter begleiten, wenn sie jetzt dem nicht allem zusagt. Was natürlich wahrscheinlich nicht so gelaufen wäre, weil das Personal natürlich auch immer Interesse an einem guten Ausgang hat, das unterstellen wir mal positiv. Aber das sind Ängste, die da angetriggert wurden, die nicht aus der aktuellen Situation stammen, sondern eben das sind Ängste, die aus Kindheit und früher gestammt haben und die da wieder aufgelebt sind. Und wenn man sich das klar macht und sich selber besser versteht und weiß, zu welchen Reaktionen neige ich, was sind meine Überlebensstrategien, was sind meine Mechanismen, wie greifen die, dann ist das einfach wahnsinnig hilfreich für eine neue Geburt. Und das ist das, was ich auch mit den Frauen immer wieder in der Aufarbeitung und in der Vorbereitung, ich habe ja häufig in der Folgeschwangerschaft die Paare bei mir, was wir genau anschauen. Also wir schauen die Reaktion an, die stattgefunden haben. Und das ist eben ganz häufig, dass es erst an Übererregung geht und dann eben in diese Starre. Muss aber nicht. Starre muss auch nicht eintreten. Ist aber, wie gesagt, in Geburt einfach naheliegend, weil wir nicht fliehen oder kämpfen können. Und genau, wenn aber auch so eine Formresponse ein Thema ist und auftaucht, das kann auch noch in Kombination dazu kommen, dann ist das einfach eine wichtige Info. Und wir sammeln diese Infos, weil das auch für eine neue Geburt und für das neue geburtshilfliche Team wahnsinnig wertvoll ist. Und wir bereiten das dann auch auf. Das heißt, wir schreiben das auch nieder in einer kompakten Version für das geburtshilfliche Team. Ich schule meine Frauen, wie sie das ansprechen, wie sie mit dem Personal darüber in Kontakt gehen, weil Kommunikation ist das A und O in Geburt. Alles, was nicht kommuniziert ist, dann kann man sich auch nicht darauf berufen, dass das irgendwie funktioniert. Wir müssen einfach sicherstellen, bist du der richtige Geburtsort für mich? Begleitet ihr mich so, wie ich das brauche? Das sind meine Themen. So reagiere ich. Könnt ihr mich hier auffangen oder ist euch das eigentlich alles zu viel? Oder interessiert euch das gar nicht? Dann ist auch okay, dann suche ich mir einen anderen Ort. Also das wirklich in so einer offenen Kommunikation miteinander zu klären, wo sind die Grenzen? Was sind die Möglichkeiten von einem Geburts-Team? Das ist so, so wichtig und so hilfreich, weil die Frau dann genau weiß, okay, das kann ich erwarten, das kann ich nicht erwarten. Und dann kann sie die Entscheidung treffen, das ist mein Geburts-Team oder das eben nicht. Und ja, das ist so für die nächste Geburt total wichtig zu wissen. Und in der Aufarbeitung ist es einfach so, dass wir viel eben mit Trauma-Energie-Lösung arbeiten. Und das geht einfach am aller allerbesten über den Körper, über diese verschiedenen Methoden in der Gesprächstherapie, den Körper mit einzubeziehen, immer wieder Gefühle im Körper zu verorten, zu schauen, was braucht es, damit das Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerven-Nerv n-Systemen sich wieder ausbalancieren kann. Und dann aber auch der Blick in den Lebensrucksack, das passiert automatisch. Woher kennst du das noch? Wo hast du das vielleicht schon mal erlebt? Oder wo hat sich diese Überlebensstrategie geformt? Wo wurde die gebraucht? Und dann haben wir so häufig innere Kindanteile, innere Kindarbeit, die dann parallel mitläuft. Weil diese inneren Kinder natürlich alle rufen, wenn das in der Geburt wieder passiert, was dir mit sechs oder mit fünf passiert ist. Vom Gefühl her ist es nicht die gleiche Situation, das ist klar, aber das spielt keine Rolle. Das wird angetriggert, die ganze Gefühlskaskade geht los. Es ist wie, als wärst du damals. Und das ist unglaublich innerlich, wenn du dann da mit deiner Sechsjährigen im Geburtsraum liegst. Dann ist Geburtsarbeit einfach schwierig. Und das zu wissen und zu erkennen und dann auch zu wissen, wie hole ich die Erwachsene wieder hervor, die jetzt da raus ist, die sich jetzt kümmert, die jetzt selbstbestimmt ist, die sich das erarbeitet hat. Wie kann ich kommunizieren? Wie kann ich meine Grenzen wahren? Wie kann ich wirklich ein Nein aussprechen? Wie kann ich das Nein halten? Das ist unglaublich wertvoll, nicht nur für die Geburt, sondern für dein gesamtes Leben, wie du dir vorstellen kannst. Ja, ich freue mich, wenn du hier den ein oder anderen Impuls und die ein oder andere Info mitnehmen konntest. Schau gerne auf meiner Homepage nachgeburtshelden.de. Da findest du alle meine Angebote. Du kannst dich auch gerne für ein kostenloses Erstgespräch bei mir anmelden oder du machst erst mal den Geburtstraumatest, den wir hier kostenlos zur Verfügung stellen, um mal für dich einzuordnen, wo stehe ich eigentlich? Und wenn du Fragen oder Anregungen hast, auch zum Podcast oder dir was Bestimmtes wünschst, dann freue ich mich einfach total über deine Nachricht und sage jetzt Ciao und bis bald.